Quo vadis, Europa?

Quo vadis
Bildquelle: Dieter Schütz / pixelio.de

Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich über den Wandel, der unsere Gesellschaft und der Umgang miteinander in den letzten Jahren geschehen ist, erschrecke.

Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, denn es wird immer schlimmer. Natürlich nicht überall und in jeder Stadt, aber das soziale Klima wird immer giftiger. Das bekommt man nicht nur in den Nachrichten mit, sondern auch, wenn man sich in den sozialen Medien bewegt.

Vielen Menschen scheint es nicht mehr möglich zu sein, andere Meinungen, Sichtweisen – oder auch Hautfarben – einfach so sein zu lassen, wie sie eben sind. Man muss ja nicht alles schön und gut finden, kann aber trotzdem den Anderen ihr So-Sein und So-Denken lassen.

Besonders bemerkenswert finde ich die Beobachtung, wie vermehrt Andersdenkende als asozial, vertrottelt, dumm und sogar noch Schlimmeres dargestellt werden.
Das positivste Wort hierbei ist das Wort „Gutmensch“ – das schlimmste, das ich gelesen habe, ist das Wort „Mörder“.

Wie konnte es soweit kommen,

dass wir nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, andere Meinungen neben der unseren akzeptieren, oder zumindest einfach stehen lassen, zu können?
Es werden Stimmen laut, die Gesetze fordern, andere Menschen in ihren Freiheiten einzuschränken. Sicherheit und Kontrolle fordern viele Menschen, die sich unsicher fühlen. Sie vergessen dabei jedoch, dass damit Stück für Stück unsere Freiheit abgeschafft wird.

Ich beobachte eine Fanatisierung in verschiedene Richtungen, die für uns als Gesellschaft nur schädlich sein kann. Die einen fordern, dass wir Menschen im Meer ersaufen lassen wollen. Ein paar von denen sind wahrscheinlich die, die andersfarbige Menschen inzwischen auch auf der Straße angreifen. Andere fühlen sich als etwas „Besseres“, weil sie für sich einen anderen als den üblichen Lebensstil gewählt haben. Weitere schimpfen auf alle, die nicht ihrer eigenen Überzeugung folgen.
Und das Schlimmste daran ist: Jeder von diesen Menschen fühlt sich im Recht.

Ich dachte, die Zeiten, in denen nur eine einzige Wahrheit Bestand haben darf – und keine andere daneben existieren soll – wären endgültig vorbei.
Doch anscheinend ist dies kein rein religiöses Phänomen, sondern funktioniert mit verschiedenen Weltanschauungen

Warum ist es heute nicht mehr möglich, Menschen mit anderer Meinung genauso ihr Recht auf eine eigene Meinung zuzugestehen, wie man dies für sich selbst ebenfalls in Anspruch nimmt?
Warum muss man ihnen gleich irgendeine Form von „Minderwertigkeit“ attestieren? Oder ihnen gar Gewalt anzutun?
Wem tut man einen Gefallen damit?

Quo vadis, Europa?

Wohin wird dieser Weg führen? Brauchen wir heute wirklich immer noch Sündenböcke, nur damit wir uns selbst gut fühlen?

Ja, es ist anstrengend, sich mit anderen Meinungen und Menschen mit anderem Hintergrund auseinanderzusetzen.
Aber um wie viel anstrengender ist es, in einer Gesellschaft zu leben, in der man ständig auf der Hut sein muss, was man wem erzählen kann, ohne dass dieser einen gleich abwertet? Es ist auch sehr anstrengend, immer vorsichtig sein zu müssen aus Angst, dass irgendein Schläger oder gar ein Mob gerade in Lynchlaune ist.

Es ist anstrengend, anderen Menschen wirklich zuzuhören und ihren Standpunkt zumindest ansatzweise zu verstehen. Aber es lohnt sich, denn es hilft, seinen Horizont zu erweitern – und führt zu mehr Verständnis füreinander und wieder zu einer sozialeren Gesellschaft.
Das heißt nicht, dass wir die anderen Meinungen und Ansichten unhinterfragt übernehmen müssen, sondern dass wir wieder lernen, auch andere Sichtweisen neben der unseren sein lassen zu können.

 

 

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