Schamanismus und Dogmen

DogmenWir kennen es alle: Sätze, die behaupten, dass etwas nur auf eine bestimmte Art und Weise funktioniert. Besonders in esoterischen und religiösen Kreisen sind solche Aussagen sehr verbreitet.

Meist beruhen sie auf unverstandenen Überlieferungen, die von den Sprechenden nicht selbst erfahren wurden. Doch selbst, wenn sie auf eigener Erfahrung beruhen, fehlt dem Menschen, der so etwas behauptet, die Einsicht, dass jedem Menschen ein anderer Einblick ins große Ganze gewährt wird – und es in diesem Zusammenhang keinen besseren oder schlechteren Weg gibt.

Überlieferungen und Schamanismus

Überlieferungen gibt es, doch ein Mensch, der diese nicht selbst überprüft hat, sondern ungefragt übernimmt und sie unbesehen weiterverbreitet, unterliegt der Versuchung des Dogmas, sich die Welt einfach zu reden.

Doch so einfach ist es in den meisten Fällen wohl nicht. Und hier bietet der Schamanismus gute Möglichkeiten, selbst nachzuschauen und zu prüfen, was an welchen Aussagen dran ist.
Natürlich nur, wenn man am Thema für eine solche Arbeit ausreichend interessiert ist. Da das Schamanisieren selbst auch immer einen Aufwand bedeutet, macht man das nicht für jeden und alles. Wie groß dieser Aufwand ist, hängt davon ab, wie tief man in das jeweilige Thema einsteigen möchte.

Ein Mensch, der im schamanischen Kontext Dogmen verbreitet (im Sinne von: „so ist das, und nicht anders“) wird wohl selbst noch einiges lernen müssen.
Ist alles verständlich, da jeder Mensch – wie oben schon erwähnt – seinen eigenen Weg geht. Ich finde es schwierig, mit solchen Menschen umzugehen, da sie häufig nicht bereit sind, anderen Menschen und deren Erfahrungen zuzuhören.
Die anderen auf diesem Weg natürlich auch, da das Lernen in diesem Bereich wohl nie aufhört.

Dogmen im Schamanismus

Glücklicherweise kann man schamanisch alles Mögliche nachprüfen, so dass Dogmen in diesem Bereich eher ein Randthema sein dürften.
Wobei es natürlich auch Aussagen gibt, die ich – aus eigener Erfahrung – stark anzweifel, das ist aber ein anderes Thema.

Wie geht Ihr mit Aussagen um, die keine andere Ansicht zulassen, sondern sich als alleingültige Wahrheit verstehen?

Buchtipp:
Bianka Denise Albrecht: Schamanismus der Seele – ein Erfahrungs- und Arbeitsbuch

6 Gedanken zu „Schamanismus und Dogmen“

  1. Wie ich damit umgehe? allgemeingehalten ungefähr so….

    als Erstes beginne ich meinen Satz mit: „also meine Erfahrung war diese….“ oder „In meiner „Welt“(woran ich glaube) sieht das so aus…“

    Anhand der darauffolgenden Antwort sehe ich dann, ob es ein interessanter Gedankenaustausch wird – denn jeder sieht seine Welt mit seinen Augen und das finde ich spannend und möchte das nachvollziehen können- oder ob ich die Person dann dort stehen lasse mit „ja, so sieht es für alle anders aus“

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    Dann im Speziellen in Bezug auf Therapeuten jeglicher Herkunft:

    Ich machte vor vielen Jahren eine wertvolle Erfahrung.
    Eine Frau die systemisch arbeitet, hatte ich aufgesucht und ihr gegenüber erwähnt, dass ich auch gerne mit Menschen spirituell arbeiten möchte.
    Sie meinte:“ da hast du noch einen weiten Weg vor dir, ich habe das und das gelernt und bin weit entwickelt….“
    In einem anderen Satz erwähnte sie, ihren monatlichen Besuch bei ihrem Heilpraktiker, der ihr wieder helfen muss.

    Verstehst du worauf ich hinaus möchte?

    Mein späteres Resümee – wobei ich bewusst meine Zwischenschritte hier im Geschriebenen auslasse-

    ==> jeder Therapeut ist an dem Punkt, mit dem was er anbietet und mit dem Klientel das er anspricht- genau richtig.
    Wir stehen alle an den unterschiedlichsten Entwicklungspunkten und so individuell wie wir sind, so individuell sind die zur weiteren Entwicklung benötigten Schritte, Mit-Menschen, Therapeuten.

    Jeder ist da richtig- wo er steht.

    Das ist lediglich meine Erfahrung und meine daraus für mich gewonnene Erkenntnis…meine WELT 🙂

    1. ja, jeder Therapeut steht dort wo er steht. Erleuchtet sind die Wenigsten. Ich finde jedoch wichtig, dass ein paar grundlegende Dinge geklärt sind, weil man sonst seinen Klienten schaden kann. Dies betrifft vor allem, dass man sich der eigenen Schatten bewusst ist. Dafür braucht man keine tausenden von Ausbildungen, aber genügend Selbstreflexion, um zu erkennen, was zu einem selbst gehört, bevor man dem Anderen versucht Dinge überzustülpen, die gar nicht dorthin gehören.

      1. Danke für den Austausch 🙂
        Ich verstehe Dich, das wäre natürlich der optimale Zustand.

        hier mal ein paar Fragen, wenn du magst?!

        1- Kannst du Dir vorstellen, in einem Bereich Hilfe von einem unreflektierten Therapeuten zu erhalten?
        2- Was wäre, wenn ein Klient weiter ist- nach ein paar Behandlungen durch den Therapeuten-, als der Therapeut?
        …bzw weiter gehen müsste?
        3- Glaubst du an Kausalität? Ursache-Wirkung? Vorherbestimmung?
        Was wenn genau das zwischen dem Behandelten und dem Behandler stattfinden muss, damit im Idealfall beide weitere Ent-wicklungsschritte vollziehen können?
        4- Was ist Eigenverantwortung für dich? wo/wann beginnt das für dich?

        1. das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen vom Fachgebiet des Therapeuten. Von einem Ergo- oder Physiotherapeuten erwarte ich (für mich) nicht so viel Selbstreflexion wie von einem Psychotherapeuten. Und dann ist Selbstreflexion ja kein „entweder es ist zu 100% da oder überhaupt nicht“, sondern die Übergänge sind fließend. So sind wohl die meisten Menschen in Teilbereichen in der Lage sich selbst zu reflektieren und in anderen Bereichen nicht.
          Wenn dies Bereiche betrifft, die nichts mit dem Therapeuten-Klienten-Kontakt zu tun haben, ist das in meinen Augen kein Problem. Schwierig wird es, wenn der Therapeut im Klienten seine eigenen Themen zu erkennen meint, denn dies kann beim Klienten sehr viel mehr ins Ungleichgewicht bringen als er bereits vorher mitgebracht hat.

          Wenn der Klient weitergehen müsste, weil er „über den Therapeuten hinausgewachsen ist“, wird er wohl erkennen, dass es Zeit ist, weiterzugehen. Zumindest früher oder später. Manchmal hängt man ja noch am Gewohnten, selbst, wenn die Zeit überfällig ist.

          Was die Kausalität usw. angeht, habe ich keine feste Meinung, da dies sehr weltbildabhängig ist. Und spätestens wenn jemand durch einen „unfähigen“ Therapeuten vor größeren Problemen als vorher steht und ein anderer Therapeut (wenn er diesen überhaupt noch an sich ranlässt – manche Menschen machen nach schlimmen Therapeuten-Erfahrungen ja auch ganz zu und flüchten sich in destruktive soziale Muster) sehr viel mehr Aufwand betreiben muss, um den Menschen erstmal wieder auf einen guten Weg begleiten zu können, dann halte ich nichts mehr von solchen Denkmodellen.

          Eigenverantwortung find ich super. Nur manche Menschen sind – aufgrund ihrer Lebenserfahrungen, Erziehung oder ähnliches – noch nicht in der Lage, diese wieder für sich anzunehmen. Und genau da ist ein fähiger Therapeut/Begleiter gefragt, der ihnen hilft, für sich selbst die Verantwortung annehmen und leben zu können.
          Wenn ein Mensch, der nie gelernt hat, für sich selbst verantwortlich zu handeln und zu entscheiden an einen Therapeuten/Helfer/Begleiter gerät, der seinen Kram auf den Klienten projiziert, wird der Hilfesuchende häufig noch weiter weg von seiner Eigenverantwortung geführt, weil nicht seine Blockaden (oder was auch immer sein Thema ist) angeschaut wird, sondern die vom angeblich Helfenden.

          Wie siehst Du diese Punkte? Du bist ja nun auch schon einige Jahre auf Deinem bewussten Weg, hast bestimmt auch schon Beobachtungen angestellt und Dir Gedanken drüber gemacht.

          1. ja, zu Hauf *bg*

            1- Selbstreflektion ist für mich elementar wichtig.
            Dabei trenne ich nicht, sondern sehe es als Ganzes. Der Therapeut muss für mich erkennbar dieses „Gen“ der Selbstreflektion haben. Das bekomme ich in der Unterhaltung mit. Und eine der Kriterien, nach denen ich einen möglichen Therapeuten erwählen würde, sind sicher seine Referenzen. Dabei muss er mir lediglich einen Fall schildern inkl seines Lösungsansatzes, der Umsetzung und des Ergebnisses.
            Dabei ist nur bedingt wichtig, ob er dem Klienten geholfen hat, denn der Klient kann in seiner Eigenverantwortung selbst entscheiden, ob er den notwendigen Weg dann geht…
            Was ich allerdings kann, ist als bsp zu einer systemischen „normalen“ Aufstellung als Stellv zu gehen und derer (für mich enthaltenen) Grenzen bewusst zu sein, aber das was ist, laufen zu lassen. Wenn zu viel Einschränkung dabei ist, dann bin ich raus…gehe dort also nicht mehr hin.
            Ist es schlimm, wenn ein Therapeut seinen Themen im Klienten sieht? für mich ist das sogar am wahrscheinlichsten, dass die nur so zueinander finden. Achtsamkeit ist nicht nur beim Therapeuten wichtig, auch der Klient muss die „Anzeichen“ erkennen, die ihn entweder weiter zu ihm gehen lassen oder das abbrechen lassen um nach einem anderen Therapeuten zu schauen.
            Wir Menschen neigen dazu, von dem was nicht funktioniert mehr zu machen. wenn Kinder nicht hören, wird mal lauter….wenn ein Therapeut einem ein sch… Gefühl mit nach Hause gegeben hat, dann noch mal hinzugehen, welcher Glaubenssatz da auch immer dann greift.

            2- Gewohnheit kann es werden, wenn die Achtsamkeit nachlässt. und wenn ich reflektiere, was hat das mir heute gebracht, habe ich immer eine Übersicht 🙂

            3- zu schlimmen Therapeuten-Erfahrungen muss es nach meiner Erfahrungsweise nur dann kommen, wenn der Leidensdruck noch nicht groß genug ist, etwas zu ändern.
            das lässt jetzt manchen bestimmt die Luft anhalten und ich höre schon ein paar Kontrastimmen 😉
            Opfer-Täter, das hat mir damals nicht geschmeckt, aber mittlerweile ist es einfach nur einleuchtend: der Eine der Böse tut zwar, aber der andere der tut eben nix!!! er lässt geschehen…Opferhaltung
            Wir haben alle unsere Mechanismen-meist gut für uns selbst versteckt, und manchmal kommen wir da eben nur dann ran, wenn sich das Leid zuspitzt.
            Ich war mal bei einem Seminar da ging es um Veränderung, wie das bei einem selbst funktioniert. Und Veränderung durch Leid ist eine der Möglichkeiten, da ist aber so individuell wie wir Individuen sind 🙂
            Kausalität – für mich greifbar. Ursache-Wirkung

            4- Eigenverantwortung – ich glaube nicht, dass man dies gänzlich verlieren kann. Es bleibt immer ein Rest und hier kann Reflektion auch helfen. Jeder kann in seinem Leben eigenverantwortliche Situationen finden und wenn es nur das Nachsitzen nach nicht gemachten Hausaufgaben damals in der Schule war. Also was war passiert? Dieses Schlüsselerlebnis zu Ent-machten…huch, ich weiche vom Thema ab, sowas.
            Kennst du aus der lösungsorientierten Kurzzeittherapie die Verschlimmerung?
            wenn ein Klient nicht in die Gänge für sich kommt, dann kann eine Symptomverschlimmerung helfen, nämlich an den Punkt für sich zu kommen, an dem der Klient dann endlich bereit ist, für sich etwas zu tun. (Lektüre: Der Dreh von Steve de Shazer)

            Meine persönliche Erfahrung ist auch, dass ich Themen die ich erkannt und abgearbeitet habe, wieder gezeigt bekomme, allerdings abgeschwächt, aber um das Erlernte zu vertiefen.

            Wie kann ein Therapeut einen Klienten in die Eigenverantwortung bringen/führen?
            Wie kann das Deiner Meinung nach beispielhaft aussehen?
            Woran erkennst du einen potentiellen Therapeuten für dich?

            Mir selbst ist aus den letzten Jahren nur ein Einziger geblieben, einfach weil er mir bis heute keine Frage unbeantwortet lässt und immer noch Lösungen hat, bzw mir solche Fragen stellt, die mich meine Lösungen selbst finden lassen. Er zeigte mir Wege der Eigenverantwortung, der Souveränität, der Individualität … die ich gerne in meinem Tempo gegangen bin. …und noch weiter gehe.

          2. Die lösungsorientiert Kurzzeittherapie kenne ich weder aus der Praxis noch aus der Theorie. Von der Homöopathie weiß ich von möglichen Erstverschlimmerungen, wobei es immer abzuwägen gilt, ob die Verschlimmerung zur „Erstverschlimmerung“ zählt oder ob man das falsche Mittel gewählt hat. Ähnlich wird es wohl auch bei anderen Therapieformen sein. Da ist wohl in jedem Fall Achtsamkeit gefragt.

            Es stimmt (für mich), dass Themen, die man bereits bearbeitet hat, wiederkommen. Ich habe es bisher so gedeutet, dass ich sehe, was ich schon geschafft habe, indem mir das entsprechende Thema leichter fällt. Sozusagen als Überprüfung des „Erfolgs“.

            Ein Therapeut kann einen Klienten seine Selbstverantwortung immer wieder klarmachen in der Art, wie er mit ihm redet. D.h. Fragen, die den Klienten zum Nachdenken bringen, was er selbst möchte, sind besser geeignet, als Aussagen, die man als „einzige Wahrheit“ missverstehen könnte. Auch der Respekt vor den Entscheidungen des Klienten ist wichtig.

            Wie ich einen für mich passenden Therapeuten erkenne, ist eine Mischung zwischen eigenem Gefühl, Rücksprache mit meinen Verbündeten und indem ich in den ersten Gesprächen ein paar Dinge „austeste“, ob er mit meinen Eigenheiten zurechtkommt und ob er sich selbst nicht zu wichtig nimmt.

            Je nach Thema habe ich verschiedene Begleiter, wenn ich alleine nicht weiterkomme. Die einen mehr spirituell, die anderen mehr weltlich.
            Als Beispiel: über meine Arbeit brauche ich nicht mit meinem Heilpraktiker sprechen, nur wenn dort symptomatisch etwas auftaucht, was mit meiner Gesundheit zu tun hat. Dafür erwarte ich von meinem Coach keine Unterstützung, wenn es um meine Gesundheit geht.
            Natürlich hängt alles zusammen und die Gesundheit leidet, wenn es im Beruf schlecht läuft. Und genau deswegen gehe ich gerne auf verschiedenen Ebenen ein Thema an, damit es auch wirklich gelöst wird.

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